Aktionärsbrief der Charles Vögele Gruppe

Bruttoumsatz währungsbereinigt auf Vorjahresniveau

– Bruttoumsatz liegt währungsbereinigt auf Vorjahresniveau (–1%)
– Flächenbereinigter Bruttoumsatz (like-for-like) liegt 4% unter Vorjahr (währungsbereinigt)
– Warenlager gegenüber 30.6.2008 um CHF 43 Mio. bzw. 15% bereinigt und abgebaut
– Betriebsaufwand dank Sparmassnahmen über CHF 30 Mio. unter Vorjahr
– EBITDA erreicht trotz Altwarenabbau CHF 38 Mio. (–18% gegenüber Vorjahreswert)
– Free Cashflow erhöht sich im 1. Halbjahr 2009 um CHF 29 Mio. auf CHF 38 Mio.
– Nettoverschuldung um CHF 38 Mio. auf neuen Tiefstand von CHF 114 Mio. reduziert
– Eigenkapitalquote auf 60% erhöht

In einem rezessiven Umfeld konnte die Charles Vögele Gruppe den Bruttoumsatz währungsbereinigt auf Vorjahresniveau halten. Ohne Berücksichtigung der Währungseffekte betrug der Rückgang CHF 49 Mio. bzw. 6%, auf vergleichbarer Fläche 4% (währungsbereinigt). Insgesamt resultierte ein Bruttoumsatz von CHF 743 Mio. Dass das EBITDA mit CHF 38 Mio. trotz substanzieller, ausserordentlicher Bereinigung des Altwarenbestandes lediglich um CHF 8 Mio. bzw. 18% unter dem Vergleichswert der Vorjahresperiode lag, ist dem eingeleiteten Kostensenkungsprogramm zuzuschreiben. Das Konzernergebnis lag mit CHF – 2 Mio. unter dem Vorjahreswert von CHF 3 Mio.

Bruttoumsatz währungsbereinigt auf Vorjahresniveau
Die im zweiten Semester 2008 auch in der Realwirtschaft deutlich abgekühlte Konjunktur akzentuierte sich Anfang 2009 und begann sich auf die Konsumentenstimmung auszuwirken. Unter dem Gesichtspunkt, dass das Konsumverhalten der Kundschaft der Charles Vögele Gruppe in hohem Masse bedarfs- und witterungsabhängig ist, ist es umso erfreulicher, dass trotz gesunkener Konsumentenstimmung und ungünstigen Witterungsverhältnissen in den Hauptmargenmonaten währungsbereinigt lediglich ein Umsatzminus von 1% gegenüber dem Vorjahr resultierte. Bedingt durch den schwachen Eurokurs sowie dem Einbruch einzelner Landeswährungen im osteuropäischen Raum reduzierte sich der Bruttoumsatz ohne Berücksichtigung der Währungseffekte um CHF 49 Mio. bzw. 6% auf CHF 743 Mio. Das Filialportfolio wurde leicht ausgebaut.

Substanzielle, ausserordentliche Bereinigung des Altwarenbestandes eingeleitet
Die Anfang April 2009 für die kommenden zwölf Monate eingeleitete, substanzielle, ausserordentliche Bereinigung des Altwarenbestandes zeigte Wirkung: Das Warenlager konnte gegenüber Juni 2008 bereits um CHF 43 Mio. (5.6 Mio. Stück) bzw. 15% auf CHF 237 Mio. (30.5 Mio. Stück) reduziert werden. Obschon das Lager mit grossen Rabattaktionen stark abgebaut wurde, lag die Bruttogewinnmarge per Ende Juni mit 62.6% weiterhin auf hohem Niveau. Erklärtes Ziel ist, das Lager bis Ende März 2010 um sämtliche Waren, die älter als 18 Monate sind, zu bereinigen.

Frühzeitig eingeleitete Kostensparmassnahmen
Angesichts der zunehmenden Konjunkturabkühlung wurden frühzeitig Kostensparmassnahmen eingeleitet. Diese trugen dazu bei, dass sich der Betriebsaufwand um CHF 31 Mio. bzw. 8% von CHF 388 Mio. auf CHF 357 Mio. reduzierte. Währungsbereinigt betrug die Kostenreduktion CHF 14 Mio. bzw. 4%. Damit neutralisierten sich die Währungseffekte auf Umsatz- und Kostenseite nahezu. Erfreulicherweise erhöhte sich der Raumaufwand infolge Nachverhandlungen bestehender Mietverträge nur leicht, obschon im Vergleich zur Vorjahresperiode mehr Filialen betrieben wurden. Alle anderen Aufwandpositionen konnten teils stark vermindert werden: Da auf grössere Events verzichtet und der Marketingmix verändert wurde, konnten beim Werbeaufwand CHF 16 Mio. bzw. 26% zum Vorjahr eingespart werden. Der Personalaufwand reduzierte sich durch Prozessänderungen und gruppenweite Kostensparmassnahmen um 6%. Diesen gezielten Massnahmen ist es zuzuschreiben, dass dennoch ein EBITDA von CHF 38 Mio. erreicht wurde, was einem Rückgang um CHF 8 Mio. bzw. 18% entspricht. Die EBITDA-Marge betrug 6% gegenüber 6.8% im 2008. Nach Abzug der Abschreibungen resultierte ein EBIT von CHF 7 Mio. bzw. ein Rückgang um 58%. Der Finanzaufwand reduzierte sich um die Hälfte. Mit CHF – 2 Mio. lag das Konzernergebnis hinter dem Wert von CHF 3 Mio. in der Vergleichsperiode zurück.

Hoher Free Cashflow, tiefe Nettoverschuldung
Der Cashflow erhöhte sich gegenüber dem vergleichbaren Wert in der Vorjahresperiode um CHF 20 Mio. auf CHF 65 Mio., was in erster Linie der Bereinigung des Altwarenbestandes zuzuschreiben ist. Infolge der um CHF 9 Mio. geringeren Investitionstätigkeit erhöhte sich der Free Cashflow um CHF 29 Mio. auf CHF 38 Mio. Die Nettoverschuldung wurde weiter reduziert: Mit CHF 114 Mio. liegt sie so tief wie noch nie seit dem Börsengang. Die Kreditlinie im Betrag von CHF 250 Mio. bis Mitte 2012 steht in vollem Umfang zur Verfügung. Mit der hohen Eigenkapitalquote von 60% präsentiert sich die Bilanz in starker Verfassung.

Beschaffung in Asien in eigener Hand
Die Charles Vögele Gruppe nimmt die Beschaffung in Indien und Bangladesch per 1. November 2009 in die eigene Hand. Während den letzten 15 Jahren wurde der Einkauf in diesen Ländern über Beschaffungsagenturen der in Singapur domizilierten Texline Associates Pte. Ltd. abgewickelt. Bereits vor zwei Jahren wurden die Beschaffungsaktivitäten in Hongkong und Shanghai integriert. Durch die Eingliederung in die eigene Organisation beherrscht und kontrolliert die Charles Vögele Gruppe ein weiteres Glied in der Wertschöpfungskette, was als vertikal aufgestelltes Unternehmen ein bedeutender Wettbewerbsvorteil ist – nicht zuletzt weil dadurch schnell auf veränderte Kundenbedürfnisse reagiert werden kann. Somit werden rund 75% der in Asien hergestellten Ware durch eigene Beschaffungsbüros abgewickelt.

RFID-Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen
Das Mitte 2008 gestartete RFID-Pilotprojekt in Slowenien konnte erfolgreich abgeschlossen werden. In enger Zusammenarbeit mit externen Logistik- und Technologieprovidern gelang es der Charles Vögele Gruppe, den Warenfluss einzelner Güter entlang der gesamten Wertschöpfungskette lückenlos und zeitnah zu verfolgen – als weltweit erstes Unternehmen im Textilbereich. Ausschlaggebend für die Initiierung des Pilotprojekts war einerseits die vollständige Kontrolle des Warenflusses, andererseits können mit dieser Technologie neue Erkenntnisse gewonnen werden, um den Warenfluss noch präziser zu steuern. Wie bedeutend dieser Erfolg zu werten ist, verdeutlicht der Gewinn des Awards für die beste RFID-Implementierung des renommierten amerikanischen RFID-Journals. Die neue Technologie wird nach der Evaluation des Optimierungspotenzials in weiteren Ländern implementiert.

Mutationen im Verwaltungsrat und in der Konzernleitung
Der Präsident des Verwaltungsrats, Bernd H. J. Bothe, sowie der Vizepräsident Dr. Felix R. Ehrat und die beiden Mitglieder Carlo Vögele und Daniel Sauter stellten sich an der Generalversammlung am 1. April 2009 nicht mehr zur Wiederwahl in den Verwaltungsrat. Der neu konstituierte Verwaltungsrat setzt sich aus den bisherigen Mitgliedern Alain Caparros, Hans Ziegler, Jan C. Berger und Prof. Peter Littmann zusammen. Neuer Präsident des Verwaltungsrats ist Alain Caparros. Er ist Vorstandsvorsitzender der REWE Group, eines der führenden Einzelhandelsunternehmen Deutschlands. Als Vizepräsident amtet Hans Ziegler.
Auch die Zusammensetzung der Konzernleitung veränderte sich: Am 16. Februar 2009 übernahm André Maeder das Amt des CEO’s von Bernd H. J. Bothe, der es seit Mitte August 2008 interimsmässig ausgeübt hatte. Maeder ist ein international erfahrener Marken- und Modefachmann. Er war zuvor Vorstandsmitglied bei Hugo Boss und S. Oliver und während über sechs Jahren als COO bei Harrods in London. Zwischen 1989 und 1995 war er bereits einmal bei der Charles Vögele Gruppe – damals im Einkauf. Des Weiteren hat der Verwaltungsrat Markus Voegeli zum neuen Chief Financial Officer ernannt. Voegeli war zuletzt unabhängiger Berater im Finanzbereich, davor war er vier Jahre lang CFO der börsenkotierten Valora Gruppe. Er wird seine Position am 1. Oktober 2009 antreten. Voegeli folgt auf Dr. Felix Thöni, der das Unternehmen, wie bereits angekündigt, verlassen wird.

Nennwertreduktion vollzogen
Die vom Verwaltungsrat vorgeschlagene Nennwertreduktion von CHF 4.00 auf CHF 3.50 pro Aktie der Charles Vögele Holding AG ist an der ordentlichen Generalversammlung der Aktionäre vom 1. April 2009 genehmigt und per 3. Juli 2009 mit der Rückzahlung von CHF 0.50 pro Inhaberaktie vollzogen worden. Das Aktienkapital beträgt neu CHF 30 800 000 und setzt sich aus 8 800 000 Aktien zu CHF 3.50 Nominalwert zusammen.

Aufbruch auf allen Ebenen
Die Charles Vögele Gruppe wird ihre Aufbau- und Ablauforganisation insbesondere in den Bereichen Kollektion, Beschaffung und Warensteuerung massgeblich verändern: Die Kollektionsrhythmen werden verdoppelt und die Geschwindigkeit zur Erstellung der Kollektionen erhöht. Die starke Stellung im Bereich aktuelle und preiswerte Mode wird weiter ausgebaut und auf die demografisch attraktive Zielgruppe von mitten im Leben stehenden Menschen fokussiert. Ein neues Ladenbaukonzept und emotionalisierte Werbekampagnen mit einer verstärkten Inszenierung der Eigenmarken – speziell der trendorientierten Marke Casablanca – leiten die neue Ära zu einem selbstbewussten visuellen Auftritt ein.

Potenzialorientierte Expansion
Im Rahmen der neuen, potenzialorientierten Expansionsstrategie wird das Filialportfolio überprüft. Dabei wird eine Verdichtung des Filialportfolios in den Hauptmärkten angestrebt.

E-Commerce als neuer Absatzkanal
Der Online-Handel verzeichnet in Europa die derzeit höchsten Zuwachsraten. Die Charles Vögele Gruppe erschliesst diesen zusätzlichen Absatzkanal.

Neue Formatstrategie
Das bestehende Filialportfolio, das nur Formate beinhaltete, die grösser als 800 m2 waren, wird neu mit Verkaufsflächen ergänzt, die kleiner als die bisherigen sind. Dies eröffnet Potenzial für Sortimente nach Gender oder nach Brands.

Wachstum im Rahmen des Markts für das Gesamtjahr erwartet
Die Charles Vögele Gruppe geht davon aus, dass sich der flächenbereinigte Umsatz besser als der rückläufige Gesamtmarkt entwickelt. Die zwingend notwendige Bereinigung des Altwarenbestandes wird das Ergebnis im zweiten Halbjahr voraussichtlich mit CHF 20 – 30 Mio. beeinflussen. Die Charles Vögele Gruppe ist überzeugt, dass sich mittelfristig die eingeleiteten Massnahmen sowohl auf Ertrags- wie auch auf Kostenseite positiv auswirken. Des Weiteren werden konkrete Massnahmen ausgearbeitet, um die vom Verwaltungsrat in Zusammenarbeit mit der Konzernleitung gewonnenen Erkenntnisse aus der Strategic Review umzusetzen.

Im Namen des Verwaltungsrats und der Konzernleitung danken wir den Aktionärinnen
und Aktionären für ihr Vertrauen.


Freundlich grüssen

Alain Caparros                                                         André Maeder
Präsident des Verwaltungsrats                           Chief Executive Officer